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Die Gemeinde Grafenau besteht heute aus den zwei Teilorten Dätzingen und Döffingen, da mit der
Gemeindereform im Jahr 1972 sich Dätzingen und Döffingen zur Gemeinde "Grafenau" zusammen-
geschlossen haben.

Der kleinere Ortsteil Dätzingen wurde 1075 als "Tatichingen"
erstmals urkundlich erwähnt und die Grafen von Fürstenberg
und von Calw-Vaihingen waren Lehnsherren des hiesigen
Ortsadels. Im 13. Jahrhundert erwarb der Johanniterorden
den Ort. Ab 1806 nach dem Reichsdeputationshauptschluss
gehörte Dätzingen zum Königreich Württemberg.
1810 schenkte König Friedrich das Johanniterschloss
seinem Günstling Graf Carl Ludwig von Dillen. Über Heirat
kam es später an die preußische Familie von Bülow, ehe
es 1961 die Gemeinde erwarb. Diese ließ 1962 bis 1967
das Schloss renovieren, welches heute ein Kulturzentrum
mit Museum ist und Kunst- und Antiquitäten beherbergt.

Die Reformation konnte sich in Dätzingen nicht durchsetzen, der Ort war seit je her katholisch und blieb es auch. Während Dätzingen 1939 noch eine Arbeiter- und Bauerngemeinde war, entwickelte sich das Dorf seitdem zu einer Wohngemeinde. Seit 1949 wuchs der Ort besonders nach Süden hin, aber auch im Norden am Hang des Hacksbergs. Das Schulhaus mit der Kleinturnhalle wurde erweitert, und man legte einen Sportplatz auf dem Holzberg an. Hinzu kam die vollständige Kanalisation des Ortsteils (Kläranlage gemeinsam mit Döffingen und Schafhausen).

Der Ortsteil Döffingen war früher eine Urpfarrei und trug den Namen "Toffingen", welcher, wie Dätzingen auch, 1075 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Zur Urpfarrei Döffingen gehörten die Orte Dagersheim, Darmsheim und Schafhausen. Auch die Evangelische Martinskirche wurde 1075 in der Schenkungsurkunde des deutschen Königs und späteren Kaisers Heinrich IV. als Kirche zu "Toffingen" erwähnt. Der Name "Martinskirche" wurde erst seit Ende der siebziger Jahre geführt.

Im 11. Jahrhundert waren die Grafen von Calw und neben ihnen das Haus Beutelsbach hier begütert. Später gehörte der Ort den Pfalzgrafen von
Tübingen und mehreren anderen Herren. Im 14. und 15. Jahrhundert erwarb
Württemberg allmählich das Dorf. Am 23. August 1388 besiegte Graf Eber-
hard von Württemberg in der Schlacht bei Döffingen das Heer der Reichs-
städte und im 30jährigen Krieg ging Döffingen am 8. September 1634, mit
Ausnahme von Fleckenmühle und Schafhausen, ganz in Flammen auf.
1937 wurde in Döffingen eine der ersten Gemeindehallen im ganzen Land-
kreis Böblingen, der Graf-Ulrich-Bau, erstellt. Seit 1949 erweiterte sich der
Ort mit der Landhaussiedlung am Kapellenberg (1957) und dem Siedlungs-
gebiet Leislengraben (1960-67). 1965 entstand die Grund- und Hauptschule
Döffingen. An das Schulgebäude gesellten sich das Feuerwehrgerätehaus
und das Hallenbad.

Seit der Bildung der Gemeinde Grafenau am 1. September 1972 wurden zunächst die Baugebiete Hamberg und Bonde (Dätzingen), Malmsheimerweg (Döffingen), der westliche Teil des Mühläcker, Obere Straße (Dätzingen), Mittenbühl (Döffingen) und Hofstetten (Döffingen) erschlossen. Mit Blick
auf die Zukunft sind noch das Gewerbegebiet Röte und das Wohngebiet Hörlen geplant. Auch im Bereich der Sanierung war die Gemeinde nicht untätig: ein großes Projekt war die Ortskernsanierung Döffingen (1990-2002). Derzeit wird das Mischgebiet Hofstetten (1999-2006) saniert und in Dätzingen ist eine Ortskernsanierung in Planung.
Im Ortsteil Döffingen wurde eine Kläranlage gebaut und erweitert (Inbetriebnahme gemeinsam mit Dätzingen und Schafhausen). Das Heimatmuseum wurde 1986 im Schloss Dätzingen eingerichtet und steht seitdem unter ehrenamtlicher Betreuung. 1975 entstand im Döffinger Steinbruch der Jugendtreff "Sumpf", das Jugendhaus der Gemeinde Grafenau, welches vom Verein selbst verwaltet wird.
Im Schulbereich fanden einige Erweiterungen statt. Besonders beliebt wurde die Grund- und Haupt-
schule Döffingen durch den erweiterten Werkrealschulabschluss. Seit 1996 bezeichnet sie sich des-
wegen als Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule (GHWRS) Döffingen. Zuletzt wurde die
Schule mit dem "Rundling" (2000) erweitert. Auch im Kindergartenbereich gab es Erweiterungen. Mit
13 eingerichteten Kindergartengruppen hält die Gemeinde Grafenau ihren bisherigen Rekord. Neu ent-
standen ist der Kindergarten Mittenbühl (2002), der den Kindergarten im Graf-Ulrichbau abgelöst hat.


Bild links: Kindergarten
Mittenbühl


Bild rechts: Wiesengrund-
halle

Mit der Entstehung der Wiesengrundhalle gelang der Gemeinde Grafenau ein wichtiger Schritt zur
Stützung der Zusammengehörigkeit der beiden Teilorte und zur Ausprägung der örtlichen Identität.
Der Bau der Gemeindehalle wurde zwischen den beiden Ortsteilen vollzogen, um eine gemeinschaft-
liche Halle in zentraler Lage 1996 zu erhalten. Der Name Wiesengrundhalle war ein Vorschlag der
Bevölkerung Grafenaus, kann aber auf das Lied "Im schönsten Wiesengrunde" von Wilhelm Ganzhorn
1851 zurückgeführt werden, der damit seine Erinnerung an das Umfeld der Stegmühle an der Würm
bewahren wollte.
In Grafenau existieren im Gegensatz zu anderen Gemeinden 4 Friedhöfe. Da die alten Friedhöfe in
beiden Ortsteilen nicht erweiterbar waren, wurde in Döffingen 1988 der Waldfriedhof und in Dätzingen
1996 der Friedhof am Schlosspark gegründet. Durch die neuen Vollversorger Nettomarkt und Edeka
Aktiv Markt Hacker wurden am Anfang des neuen Jahrtausends auch die örtliche Grundversorgung
gesichert. Im Bereich der sozialen Angelegenheiten wird zukünftig auch die Altenhilfe abgedeckt,
indem in Dätzingen ein Seniorenzentrum unter der Betreuung der Bürgerstiftung Grafenau geplant ist.
 
Grafenau hat seinen dörflichen Charakter trotz allen Modernisierungen und Veränderungen behalten
und ist durch die engagierte Beteiligung seiner Kirchen, Vereine und Bürger eine lebendige
Gemeinschaft.

Weitere Informationen enthält das Grafenauer Heimatbuch, das für 7,50 € in beiden
Rathäusern und im Heimatmuseum erhältlich ist.

     


Gemeinde Grafenau, Wittumstr. 1, 71120 Grafenau, Tel. (07033) 403-0, Fax (07033) 403-21, E-Mail: info@grafenau.kdrs.de